Januar 22, 2017

CE und CE, was ist echt und was Fälschung?

Woher kommt eure PSA?

Wer von den Anwendern von Kletterausrüstung hat schon einmal auf das kleine „Made in…“ bei seiner PSA geachtet?

Wenn wir auf Messen gehen, leuchten uns dort schon die farbenfrohen Messestände der großen Hersteller entgegen. Jeder neue Karabiner und jeder neue Gurt wird als „Revolution in der Geschichte der Firma“ gefeiert. Neue Farbkreationen machen aus einem unscheinbaren Alukarabiner einen optischen Hingucker, den noch kein anderer in der Szene hat. Neue Marken entstehen und werden mit großem Tamtam auf den Markt gebracht.

Soweit, so gut.

Etwas abseits der großen und aufwändigen Messestände stehen die kleinen, vorgefertigten „Schachtelstände“, die vom Messeveranstalter komplett inklusive Beleuchtung gemietet werden können. Dort präsentieren sich dann die Firmen und Fabriken aus dem Fernen Osten. Meist haben sie nur eine Lochwand mit Hardware aus Alu und Stahl hinter sich sowie ein bisschen Beleuchtung und einen Stapel Kataloge dabei.

Und dort findet man – welche Überraschung – dieselben Modelle, die vorhin so schön bunt bei den „Großen“ präsentiert wurden.

Dort sind dann Karabiner und textiles Material in allen Varianten, in allen Farbkombinationen und mit dem eigenem Markennamen sowie auf Wunsch – und entsprechendem Aufpreis – auch schon mit der nötigen EN-Zertifizierung zu haben.

Ob Schwarz oder bunt, egal welcher Verschluss, alles ist zu bekommen. Schauen wir uns die Produkte einiger bekannter Anbieter in der Branche an, so entdecken wir immer wieder die gleichen Grundmodelle.

Man muss heute nichts von der Materie verstehen, um seine eigene Kollektion an Hardware in den Markt zu bekommen, man muss nur ausreichende Mengen bestellen und die Marketingmaschine starten.

Aber es geht auch anders:

Letztens hat die Firma DMM aus Wales, England, ein Firmenvideo veröffentlicht.

Die Qualität der Herstellung (vor Ort in Wales), die Passion der Mitarbeiter und die Erfahrung aus vielen Jahren Anwendung der Hardware ist dort offensichtlich erkennbar.

Made in Wales“ gehört dort seit jeher zum Firmenmotto.

Natürlich hätte DMM auch den Schritt gehen können, den einige andere Firmen schon vor Jahren gegangen sind, nämlich die Produktion nach China zu verlagern. Aber dies war für DMM nicht vereinbar mit den Ansprüchen, die die Firma an ihre Produkte stellt und die die Mitarbeiter auch gegenüber „ihrer“ Firma haben.

Heute fahren Sie dafür den Lohn ein: DMM-Produkte haben in Fachkreisen ein sehr hohes Ansehen und überzeugen durch eine überdurchschnittliche Qualität.

Profis wissen, dass sie den Mehrpreis durch eine hohe Qualität und eine lange Haltbarkeit wieder mehr als reinbekommen.

Aber wie sieht es bei den anderen Herstellern aus?

Petzl:

Während Petzl früher z.B. einige Karabiner in den USA fertigen ließ, erfolgt heute die Produktion in Frankreich, ebenso wie die der Helme.

Einige Stahlkarabiner werden in Taiwan gefertigt.

Die Gurte hingegen werden derzeit in Rumänien hergestellt.

Edelrid:

Edelrid, als Erfinder des Kernmantelseiles, produziert auch heute noch viele Seile und Gurte am Standort Deutschland. Bei der Hardware wiederum findet man keinen Hinweis, ein Teil wird in Italien produziert, und die Sportgurte tragen teilweise das „Made in China“-Label.

Rock Exotica:

Rock Exotica begann als Garagenschmiede und stellt immer noch alles selbst in den USA her.

Kong:

Kong entwickelt und produziert Hardware in einem großen Werk in Norditalien.

Singing Rock :

S.R. produzieren ihre Gurte in Tschechien, über den Herstellungsort der Karabiner findet man allerdings keine Angaben.

Climbing Technology:

Im Hintergrund steht die Firma Aludesign aus Italien, die unter anderem für viele bekannte Hersteller Hardware herstellte. Nach dem Abwandern einiger Kunden nach China gründete Aludesign den Ableger Climbing Technology, um die Produkte nun selbst zu vermarkten.

Aludesign stellt allerdings auch weiterhin Produkte im Auftrag anderer Firmen in ihrem Werk in Norditalien her.

Die Gurte und andere Software wird in einem eigenem Werk in Rumänien hergestellt.

Black Diamond:

B.D. stellt Produkte in den USA her, hat aber inzwischen auch eigene Fabriken in China.

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Auch wenn „Made in China“ nicht unbedingt schlechter sein muss als „Made in EU“, so gibt es im Hinblick auf PSA aber dennoch einige Aspekte, die beachtet werden sollten:

In China entstehen nämlich leider auch täuschend echte Kopien von PSA-Bauteilen, die selbst von Experten kaum unterschieden werden können. Man erinnere sich nur an die Petzl Kopien der Croll und der Ascension. Dabei wurden sogar die laufenden Seriennummern übernommen!

Die Tatsache, dass die Geräte aber schon weit unterhalb der angeblichen Bruchlast versagten und es sich um Kopien handelte, flog erst durch praktischen Erfahrungen (und gebrochenen Knochen) auf.

Nun zu sagen, das eine PSA in Europa das sogenannte CE-Zeichen tragen muss, gefolgt von einer vierstelligen Nummer (die des Prüflabors) reicht aber leider auch nicht mehr aus, da es auch hiervon schon Kopien gibt!

CE_Europa.jpg

Oben das in der EU gültige CE Logo

CE-China.jpg

Oben rechts das verwendete Zeichen für „China Export“, das „E“ steht näher zu „C“ als beim Original.

CE China Export (mark)

In recent years we’ve got used to the fact that if a product bears CE mark, it is safe. The reason for this assumption is the goods’ compliance with EU standards. Unfortunately, there exists a much similar mark which the majority of consumers and even sellers understand as CE mark of the European Union. However, this mark symbolizes something quite different. This mark means that the product was manufactured in China, and means “China Export”. This similarity is not a chance coincidence. It expresses the aggressive approach and is used to confuse European consumers. 
The China Export mark is not registered, it does NOT confirm positive test results and is placed by Chinese manufacturers arbitrarily.”

PLEASE DO NOT CONFUSE THE MARKS!!!!!!”

Video: Be aware of  the China Export Mark

Quelle: INTERNATIONAL CENTER FOR QUALITY CERTIFICATION

 

Darüber hinaus sind die Produktions- und Umweltstandards in China bekanntermaßen noch weit entfernt von den europäischen Maßstäben. Luft- und Wasserverschmutzung wird in China erst langsam als Problem erkannt. Auch die arbeitsrechtlichen Bedingungen hängen in China weit hinter unserem Verständnis hinterher (davon konnte sich der Autor dieser Zeilen selbst ein Bild vor Ort machen)!

Ist „Geiz“ also tatsächlich „geil“?

Wer sich online seine Ausrüstung beim „unbekannten Schnäppchenhändler“ kauft, möglichst auch noch aus dem Ausland und sich über „den unglaublich niedrigen Preis“ freut, der sollte sich überlegen, wie so ein Preis wohl zustande kommen kann.

Ein Fachhändler wird immer ein Interesse daran haben, für seine Kunden zum einen die richtige und qualitativ beste Ausrüstung zu finden sowie im Rahmen der Kundenbindung einen – für beide Seiten – fairen Preis zu finden.

Und der (ideale) Kunde honoriert dieses mit dem Kauf im Laden, damit der Händler nicht nur die Miete zahlen kann, sondern es sich auch weiterhin leisten kann sich zur Kundenberatung immer auf dem Laufenden zu halten, um seine Kunden aktuell informieren zu können.

Und welches Resümee ziehen wir daraus?

Wir von Seiltechnik-Hannover möchten wissen, woher das Material kommt und unter welchen Rahmenbedingungen es produziert wird. Seien es die Umweltbelastungen bei der Produktion (z.B. bei Aluminium und Stahl), die Arbeitsbedingungen oder auch nur die Transportwege.

Sowohl als Händler wie auch Verbraucher sind wir eher dazu bereit, einen höheren Preis für originale Produkte und gute Qualität zu zahlen, als für „Innovationen“ von Firmen, die in manchen Fällen eher „Marketingblasen“ sind oder sogar gefakte und minderwertige Produkte anbieten.

Denn als Anwender vertrauen wir diesen Produkten unsere Gesundheit und unser Leben an.

Inzwischen haben wir auch einige Hersteller wieder aus dem Sortiment entfernt, da die Produkte einfach nicht unseren Qualitätsansprüchen genügt haben und wir sie daher unseren Kunden auch nicht ruhigen Gewissens empfehlen konnten.

Es gibt Firmen, die in Europa produzieren, damit offensichtlich werben und auch einen entsprechenden Erfolg haben. (Und letzlich sogar ihre Steuern auch in Europa bezahlen.)

Wir von Seiltechnik-Hannover werden als Fachhändler zukünftig noch stärker auf die Herkunft der Waren achten und im Onlineshop die Herkunft der Ware auch extra herausstellen. Denn in vielen Fällen gibt es durchaus gute europäische Alternativen, ganz nach dem Motto:

Think global, act local“