Januar 22, 2017

ISC A-B vs. Petzl I´D

ISC A-B vs Petzl I´D

Das ISC A-B ist ein Gerät, das von ISC als Abseilgerät mit Paniksicherung beworben wird. Auch zum Aufstieg für kurze Strecken soll es sich eignen.

Das klingt nach einem neuen Herausforderer für das Petzl I`D, immer noch der Standard in der Industriekletterei.

Wir haben beide ins Seil gehängt um einmal einen direkten Vergleich ziehen zu können.

Natürlich ist auch dieser Vergleich  nicht im Labor entstanden, sondern draußen am Seil. Uns geht es daher auch nicht um Hundertstel und Milligramm, sondern um einen praxisnahen Vergleich.

Gerate_Vergleich.jpg
Die Eckwerte:

 

Daten ISC A-B Petzl I´D
Breite 65mm 82mm
Dicke 37mm 55mm
Länge mit Hebel unten 210mm 220mm
Länge mit Hebel oben 235mm
Gewicht 436g 530g

 

Bei den Normen erfüllt das ISC A-B zurzeit  die Norm EN 12841-B  und EN341-B, während Petzl neben der EN12841-C auch die  EN 341A erfüllt.

Das ISC ist geeignet für Seildurchmesser von 10,5mm bis 12,5mm und damit im oberen  Bereich etwas flexibler als das Petzl I´D mit seinem Bereich von 10mm bis 11,5mm.

Für 12,5mm brauch man da schon die größere Variante, das I`D L.

Kleine Seildurchmesser machen dem ISC dagegen sehr zu schaffen, wie wir später sehen werden.

 

Nimmt man beide Geräte in die Hand erscheint das ISC A-B im Verhältnis zum I`D als wahrer Handschmeichler.

Schlank, dünn und übersichtlich ohne innenliegende Mechanik empfiehlt sich das Gerät für Einsätze in Schmutz und Schlamm.

Beim I`D dagegen trägt der Handhebel sehr stark auf und macht das Gerät dadurch optisch schwerer als es ist. Und tatsächlich ist das ISC A-B knapp 100 Gramm leichter.

Auf dem Papier erscheint das wenig, in der Praxis kann das doch Welten bedeuten.

 

 

Gerate_offen.jpg

Gemeinsam ist beiden Geräten, das sie, ohne von Gurt abgenommen werden müssen, ins Seil eingebaut werden können.

Dazu braucht man bei ISC aber meistens zwei Hände, da der Hebel betätigt werden muss, um das Seil über die obere Umlenkung zu legen. (Auf dem Foto durch die Platte verdeckt).

 

Seil_eingelegt.jpg

Auf diesem Foto kann man gut die unterschiedliche Größe der Klemmnocken erkennen. Beim I`D hat das Seil auf ca. 15 cm Kontakt mit der Umlenknocke, beim A-B sind es hingegen nur ca. 9 cm.

Der Seilkanal ist beim I`D deutlich ausgeprägter, während das A-B, wahrscheinlich zugunsten der größeren Seildurchmesser einen deutlich weniger ausgeprägten Seilkanal in der Nocke hat.

Das I´D ist mit einem Verschleißanzeiger ausgestattet, das A-B nicht.

Gerate_geschlossen.jpg

Während beim I`D die Panikfunktion bei zu starkem Durchziehen des Bedienhebels durch das Entkoppeln des Bedienhebels von der Klemmnocke geschieht, ist beim ISC (wie auf dem Bild oben links zu sehen) direkt am Bedienhebel eine starre Metallrolle angebracht, die bei vollem Druck auf den Bedienhebel das Seil mechanisch einklemmen soll.

Ferner hat das I`D eine manuelle Feststellfunktion, in der der Klemmnocken das Seil auch bei Entlastung nicht freigibt. Zusätzliche Sicherheit bietet auch die bekannte Verlegesicherung, die verhindern soll, dass man ungeschützt am Seil abrauscht, sollte man das Seil versehentlich einmal falsch herum ins Gerät eingelegt haben.

 

Wie arbeiten nun die beiden Geräte?

Wie bereits erwähnt, kann das Seil bei beiden Geräten eingelegt werden, ohne sie komplett vom Gurt lösen zu müssen.

Während das Seileinlegen beim I`D gewohnt einfach vonstattengeht, ist beim A-B zwar das Einfädeln um die Klemmnocke genau so einfach, um dann aber das Seil unter der Panikbremsnocke durchzufädeln muss man die Vorderseite des Geräts erst wieder schließen.

Beim Test mit dem 10,5 mm Seil war das Einlegen unterhalb der Panikbremsnocke noch recht einfach, mit dem 12,5mm Seil hingegen eine ziemliche Fummelei. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Platz zwischen der Verschlussplatte und des Panikbremsnockens nur in einer bestimmten Stellung genug Platz bot, um das Seil korrekt ein zu legen.

Möchte man vom Abseilen zum Aufstieg wechseln, muss das Seil aber erst wieder aus der Panikbremsnocke ausgefädelt werden.

AB_Aufstieg.jpg

Natürlich könnte man das freie Seilende auch zwischen der Panikbremsnocke und dem Gerät  durchführen, das hat uns aber aufgrund der hohen entstehenden Reibung nicht gefallen und wäre damit auch praxisfern.

 

Der Aufstieg:

Hier hat es den Anschein, dass die Bremsnocke des A-B wesentlich weniger Seilreibung erzeugt, als die des I’D.

Dies ist allerdings ein subjektives Gefühl. Von drei Testern fanden zwei den Aufstieg mit dem A-B definitiv leichter, der dritte konnte für sich keinen Unterschied zum I`D feststellen.

Das „Zurücksacken“ beim Belasten des Gerätes, sprich, der Seilverlust bis sich der Klemmnocken schließt, ist bei beiden Geräten annähernd gleich. So geht hier keine unnötige Kraft verloren.

 

Beim Umbau auf Abseilen muss dann beim A-B wieder das freie Seilende unter den Panikbremsnocken gelegt werden. Dieser Nocken ist nicht, wie etwa beim CT Sparrow, als Seilreibungsbreme geeignet, da das Seil dazu von oben einlaufen müsste, was beim Abseilen dann ziemlich anstrengend wäre.

Auch hier empfehlen wir den Einsatz eines zusätzlichen Umlenkkarabiners an der Bremshand, wie bei den anderen Geräten.

 

Während beim I`D der Bedienhebel durch die Umlenkung innerhalb des Gerätes sehr leicht läuft (zwar könnte man bemängeln, dass der direkte Kontakt zum Seil fehlt; allerdings ist dadurch jedoch auch die Bedienbarkeit sehr gut) braucht es beim direkt angelenkten A-B naturgemäß wesentlich höhere Handkräfte. Insbesondere sind diese erforderlich, um den Bedienhebel gegen das Gerät zu pressen und damit den Abseilvorgang zu steuern.

Ein weiterer Unterschied zwischen dem A-B und dem I´D liegt in der Position der Bedienhebel: Muss man den I`D Bedienhebel aus der “viertel vor neun” Stellung leicht nach unten ziehen um sich abzuseilen, so muss man den A-B Hebel aus der “zwanzig vor sieben” Stellung in die “halb sieben” Stellung drücken. Durch die höhere Handkraft erfolgt die Abfahrt eher etwas ungleichmäßig. Hier muss die Bremshand spürbar mehr ausgleichen als beim I`D.

 

Während man beim I´D allerdings beim Dosieren mit der Bremshand schnell in die Panikfunktion “zieht”, ist dies beim A-B fast unmöglich.

Wir haben beide Geräte u.a. mit einem fast neuwertigen Edelrid Safety Super Seil mit 10,5mm Durchmesser getestet, und die Panikbremse beim A-B war auch bei vollem Durchdrücken des Bedienhebels nicht gegeben und es rutschte weiterhin Seil durch! Nur mit zusätzlicher Hilfe der Bremshand konnte das weitere Durchrutschen unterbunden werden.

Mit einem 12,5 mm Edelrid Timbergreen Seil blockierte das Gerät bei vollem Druck. Allerdings ist dieser Seildurchmesser eher untypisch beim Einsatz dieses Geräts.

Unserer Erfahrung nach hält die Panikfunktion nicht das, was sie Verspricht!

Hat man beim ISC A-B den Bedienhebel ganz “aufgerissen”, muss er auch in dieser Position gehalten werden, da er ansonsten wieder in die normale, passive Halteposition zurückfedern will und dabei – beim leichten lösen – auch wieder Seil durchlässt.  Gewöhnungsbedürftig…

Das A-B verfügt über eine ausklappbare Bedienhebelverlängerung, die das Abseilen mit höheren Lasten (bis 300 kg !) mit geringeren Handkräften ermöglichen soll. Vor diesem Hintergrund haben wir mit der Verlängerung auch einmal die Panikbremse getestet. Während diese ausklappbare Verlängerung die Hebelkraft beim normalen Abseilen tatsächlich reduziert und die Abfahrt dadurch auch wesentlich sensibler gesteuert werden kann, ist es jedoch auch hiermit nicht möglich die Panikbremse so auszulösen, dass die Abseilfahrt komplett zum Stilstand kommt!

AB_rettung.jpg

Zum Ablassen von Lasten bzw. Retten mit oben angeschlagenem Gerät ist das ISC A-B gut bedienbar.

AB_Ablassen.jpg

Da die Panikbremsnocke hier als zusätzliche Umlenkung fungieren kann lässt sich der Ablassvorgang gut steuern.

Beim I`D sollte hier das Seil noch einmal durch den Karabiner gelegt sein, um zusätzliche Reibung zu erzeugen und das Ablassen damit kontrollierter zu gestalten. Das I`D ist laut Petzl für bis zu 250 Kg geeignet.

Allerdings sollte diese Nutzungsvariante bei beiden Geräten nur von erfahrenen Anwendern durchgeführt werden.

ID_Ablassen.jpg

Aber auch hier rutscht man bei zu hohem Reibungswiderstand schnell in die Panikfunktion.

Missbraucht man den Knopf am Bedienhebel des I‘D (dieser ist eigentlich für Bewegung an schrägen oder horizontalen Flächen gedacht), so kann man die Panikfunktion beim Abseilen oder Ablassen von Lasten auch bis zu einem gewissen Grad übersteuern. Hiervon wird somit dringend abgeraten und ist auch vom Hersteller nicht für diesen Zweck vorgesehen worden.

Fazit:

Das ISC A-B ist ähnlich aufgebaut wie zum Beispiel das Kong Indy Evo und hat seine Vorteile in sehr dreckigen Umgebungen (z.B. Speleologen, Industriereinigungen etc…), da ausser dem Bedienhebel und der drehbar aufgehängten Klemmnocke keine weiteren mechanischen Teile verbaut sind, die durch Verschmutzung in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können.

Die UVP in Deutschland liegt bei 120 €, dafür bekommt man ein Gerät, das vom Hersteller bis 300 KG beworben wird und das auch dementsprechend große Seile “frisst”. Es ist in Rot und Schwarz erhältlich.

Der Aufstieg am Seil war, bis auf das fummelige Aushängen des Seiles am Panikbremsnocken, mit gefühlt weniger Kraft als beim I´D möglich, der gleichmässige Abstieg am Seil erfolgte etwas ruppiger, ist aber lediglich eine Übungssache und mit ausgeklapptem Bedienhebel auch gleich viel geschmeidiger.

Mit etwas Erfahrung sind mit dem A-B sehr schnelle Abfahrten möglich, was aber den Verschleiss erfahrungsgemäß in die Höhe treiben dürfte.

Das I`D erscheint bezüglich der Panikfunktion – im direkten Vergleich zum ISC A-B – daher auch geradezu nervös. Hier ist es etwas Übungssache nicht in die Panikbremse zu rauschen, vor allem wenn man es mit der Bremshand übertreibt.

Die UVP für das I´D liegt bei 188incl. MwSt, (jeweils für das I´D S und das I´D L). Möchte man das I`D in schwarzer Farbe haben, so ist dieser Wunsch bei Petzl Aufpreispflichtig.

 Fazit:

Wer ein Gerät sucht, das unter dreckigen Bedingungen funktionieren muss und das danach auch eine Reinigung unter einem Wasserstrahl verträgt, ist mit dem ISC A-B gut aufgehoben.

Man muss nur wissen, dass die Panikfunktion praktisch nicht vorhanden ist und man auch nicht vor dem falschen Einlegen des Seiles geschützt ist. (Dies sollte jedoch spätestens bei der obligatorischen Funktionsprobe vor der Benutzung sowie beim Partnercheck bemerkt werden.)